Gestern wanderten wir vom Essener Stadtwald bis zur Villa Hügel. Die Villa Hügel ist ein architektonisches Unikat und ehemaliges Anwesen der Familie Krupp. Mit ihren 8.100 Quadratmetern auf 269 Räumen verteilt liegt die Villa an bedeutetender Stelle über dem Ruhrtal und dem Baldeneysee. Hinzu kommt noch der angehörige 28 Hektar große Hügelpark. Erbaut wurde die Villa 1873 im Essener Stadtteil Bredeney von Alfred Krupp. Alfred Krupp (1812 – 1887) war der älteste Sohn von Friedrich Krupp (1787 – 1826) und Theresia Helena Johanna Wilhelmi (1790 – 1850). 

Alfred Krupp war ein deutscher Industrieller und Erfinder. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1830 das Unternehmen und errichtete es im Laufe der Zeit zur größten Gußstahlfabrik Europas. In Zeiten der Übernahme arbeiteten rund 14 Beschäftigte in der Fabrik. Doch mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens und seiner Erfindung nahtloser Reifen aus Gussstahl, die zur Schienenherstellung und für Achsen benötigt wurden, ließ er die Anfrage auf Mitarbeiter drastisch steigen. 1860 beschäftigt er fast 2.000 Mitarbeiter. Ihm gelang es Walzen aus Gussstahl herzustellen und gewann damit hohe Beachtung und Aufmerksamkeit. In späteren Zeiten wurden vor allem Rüstungsgüter produziert. 

Trotz seines Erfolges lebte die Familie recht bescheiden auf dem Werksgelände. 1861 bezogen die Krupps ein angemesseneres Domizil, das sogenannte „Gartenhaus“. Jedoch liegt dieses direkt neben der Produktionshalle mit dem Dampfhammer Fritz. Er galt damals als technische Sensation. Wenn er mit einem Gewicht von 50.000 Tonnen auf ein Stahlblock hämmerte, klirrten bei den Krupps das Geschirr im Schrank. Obwohl es zu damaliger Zeit üblich war auf dem Unternehmensgelände zu wohnen, errichtete Alfred dieses Anwesen als „Rückzugsort“. Er beabsichtigte seine Rolle auf dem stark gewachsenem Unternehmen auf die  strategischen Entscheidungen und die Aufsichtsfunktion zu beschränken. Im Herbst 1863 besichtigte Krupp das Gelände und beschloss im Januar 1864 so viel wie möglich des damaligen Gutes Klosterbusch zu erwerben. Zu Beginn des Baus wurde das Klosterbuschhaus um einen Turm erweitert und zu einer Villa umgebaut. Die Skizzen des Baus wurden von Krupp selbst angefertigt. Anschließend übergab er die Skizzen dem zuständigen Baubüro. Gustav Kraemer übenahm 1863 nach Ferdinand Barchewitz die Leitung des Baus und skizzierte weitere Planungen nach den Vorstellungen Krupps. Im April 1870 beginnt der Bau nach seinen Plänen. Den Bau lässt er von seinen eigenen Fotografen dokumentieren. Zu damaliger Zeit eine wirklich moderne Idee. Rund 750 Arbeiter verbauten täglich bis zu 25.000 Ziegel. Krupp überwarf sich oft mit den Architekten, da er die Villa nur nach seinen Vorstellungen bauen lassen wollte, auch wenn die Architekten mehrmals wiedersprachen und sagten, dass man dies so nicht bauen könnte. Krupp setzte sich durch und baute das Objekt nach seinen Vorstellungen. Nun kam das, womit die Architekten rechneten, ein Erker sank um 20 cm. Dieses Ereignis geschah einen Tag vor Weihnachten, voraufhin Alfred Krupp einen mehrseitigen Beschwerdebrief an den Architekten verfasste, der einen Nervenzusammenbruch erlitt, in eine Nervenheilanstalt gebracht wurde und dort verstarb. Trotz der ganzen Schwierigkeiten ist die Villa Hügel 1873 Bezugsfertig.

Aus Angst vor einem Band verzichtete Alfred fast ganz auf Holz, stattdessen vollziehen moderne Eisenkonstrukte die Villa. Also ein Haus aus Stein und Eisen.

Alfred Krupp hat wie viele seiner Zeit panische Angst vor Seuchen und Infektionen, weshalb er die Idee zum Schutz hatte Luft von außen anzusaugen, zu temparieren und auch zu befeuchten und im gesamten Haus zu verteilen. So dass nach seinen Anweisungen z.B. im ersten Raum, wenn man eintritt 18 Grad vorhanden sind, im weiteren 16 Grad und in seinem Arbeitszimmer 14 Grad. Damit strebt Krupp die erste Klimaanlage der Welt vor. Noch heute sind die überreste des Lüftungssystems zu entdecken. Die Villa ist von Lüftungsschächten vollzogen. Trotzdem wurde das Haus nicht richtig beheizt, woraufhin sich Krupp jedes Mal drüber aufregte. Allerdings wollte er auch nicht ausziehen, sondern das perfekte Haus besitzen. Die Familie Krupp friert bis in alle Glieder und Alfreds Hoffnung in die Technik wurde enttäuscht. 1882 verlässt ihn seine Frau. Danach wohnte Alfred Krupp alleine in seinem großen Haus, in dem sonst keiner wohnen wollte. 14 Jahre nach dem Einzug starb Alfred Krupp. Ein Unternehmer, der vernarrt in sein Haus war. 

Um die Villa herum, soll ein Park entstehen, den Krupp noch erleben möchte. Dafür kauft er eine ganze Allee auf. Dafür lässt er Bäume in den Park verpflanzen. Für den Transport werden in dem hauseigenen Unternehmen spezielle Wagen angefertigt. (Noch heute kann man einige der ersten Bäume im Park bestaunen.) Der Park sollte unter anderem einen Brunnen enthalten, als auch Pferdeweiden oder Brücken. 

 

( Aufgrund der zeitlichen Spanne zwischen unserem Besuch und der Öffnungszeiten, welche nicht miteinander kompatibel für einen ausreichenden Rundganng trug, wird demnächst ein weiterer Beitrag über die Inneneinrichtung der Villa folgen. )

 

 

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